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Das DIY-Potential in der Feldenkrais- Methode

01. Januar 1970

Bei Feldenkrais geht es um Selbstermächtigung

„Nie dorthin gehen, wo es unangenehm ist, wo man nicht weiterkommt. Nicht insistieren. Wir stecken alle gerne ein bisschen fest, wo es nicht geht“, betont Anleiterin Kathi beim Feldenkrais-Workshop. Ganz was Neues.

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Workshop Fermentieren

01. Januar 1970

Große Kosterei

Salzzitronen, Salzorangen, eingelegte Cedri – beim Fermentierungs-Workshop in der Craftistas Werkstatt wurde sehr viel gekostet. Die fertigen Gläser leuchten.

„Wie in Marokko“, sagt wer. Ein marokkanisches Kochbuch liegt auf dem Tisch. Salzzitronen, Salzorangen. Wofür schöne Bio-Zitronen aus Italien in Salz einlegen, statt die gleich selber zu futtern? „Der Salzgehalt liegt in einem Bereich, in dem die schädlichen Bakterien weg sind, aber der Milchsäure Gehalt erhalten bleibt“, erklärt eine Teilnehmerin des Workshops „Fermentieren“. „Man kann die Gläser dann bis zu einem Jahr aufheben.“ Zwischen drei und acht Prozent soll das Salz betragen. Eine andere Frau schreibt Rezepte auf die Pinnwand, langsam und umständlich. Es geht um Rettich und Sauerkraut, um die „alten Frauen“, unsere Vorfahren, die so viel wussten. Alle Besucherinnen setzen sich um den großen Werkstatt-Tisch und verkosten auf Baguette. Sehr edel. Wie bei einer Feinschmeckerinnen-Verkostung. Man kann die Gläser auch mit Olivenöl aufgießen, wenn sie mal eine Zeitlang gestanden sind.

Cedri, Knoblauch und Kren

Es gibt Orangenmarmelade von bitteren Orangen auf dem Tisch und handfermentierte Cedri, eine Frucht, die nicht alle kennen. „Bei den Cedri habe ich die Schalen ganz fein gehobelt“, sagt die Erzeugerin. „Das ist eine Spezialität“, freut sich eine Flüchtlingsfrau. Im Iran wird Knoblauch eingelegt. In Österreich das Blutreinigungs-Mittel Kren. Es wird plötzlich so leise. Keine der Frauen redet mehr, alle kosten. Minutenlange Stille. „Der Knoblauch ist auch sehr gut“, sagt eine und schleckt sich die Finger einzeln ab. Im marokkanischen Kochbuch gibt es ein Rezept für „Huhn mit Salzitronen“. „Himmlische Geschmäcker“ lacht die Fingerschleckerin, „ich liebe das Intensive, das Würzige.“ Ein Riesen Brocken Salz steht auf dem Tisch. Von dem kann man etwas herunterhacken und dann im Stein-Möser zerkleinern. Der Bergamotte-Geschmack im Earl Grey Tee ist auch nur eine Salzzitrone, äh Zitrone… „Earl Grey ist das, was die Briten aus dem indischen Tee gemacht haben“, lacht eine. Dann wird geschnitten, eingelegt und geredet und gelacht und es bleibt keine Zeit mehr für aufschreiben.

Infos zum Fermentieren und Rezepte, sowie Pflanzenportraits in verschiedenen Sprachen findest du hier


Entgiftung für Flüchtlingsfrauen - Workshop zu Kopfschmerz, Verspannung & Co

01. Januar 1970

Beim Kopfschmerz-Workshop wurden interessante Ideen zur Entgiftung des Körpers weitergegeben.

„Jeden Tag nehme ich Kopfweh-Tabletten und jede Nacht Schlaftabletten. Ohne geht es leider gar nicht mehr“, erzählt die große afghanische Flüchtlingsfrau, die bereits zehn Jahre in Wien lebt und aus dem zehnten Wiener Gemeinde Bezirk angereist ist. Ihr Problem ist es, das oberhalb ihrer Familie ein junger Mann lebt, der in der Nacht nicht schläft und unruhig herumwandert. Sie spürt seine Energie durch die Wand.
Im Gemeindebau sitzen die Leute oft eng aufeinander, viele sind auch tagsüber Zuhause und leiden an verstärkter Armut. Über den anderen beiden Zimmern  der afghanischen Familie ist das Dach so feucht und nass, dass sie pro Winter zweimal die Decke streichen müssen - den Plafond, wie man in Wien sagt. „Muss ma selber machen“, riet ihnen die Gemeindebau-Verwaltung. Solche grundsätzlichen Lebensbedingungen sind schwer zu verändern, doch Schritt für Schritt muss man irgendwo anfangen. Bei den Schmerzen zum Beispiel.

Frauen-Karten

Zum Kopfschmerz-Workshop bei den Craftistas sind wirklich viele Flüchtlingsfrauen gekommen und es ist sehr auffällig, wie viele von ihnen unter einseitigen Kopfschmerzen, der „echten Migräne“ leiden. Eine Frau erzählt: „ein Auge sticht“. Eingehüllt in bunte Decken sitzen alle aufmerksam in der Souterrain-Werkstatt. Anleiterin Susanne zeigt anhand alter Mensch-Karten die Muskeln, die Wirbelsäule und die Nervenbahnen her. Erläutert die Verbindungen. „Gott sei Dank habe ich Frauen-Karten gefunden“, lacht die Frau, die viele Jahre lang Krebs-Patientinnen behandelte. Lymphdrüsen Anregung. Entgiftung.
Bei den oft traumatischen Erlebnissen von Flüchtlingsfrauen bzw. ihren Verwandten und Freundinnen, ist es klar, dass der Kopf manchmal „Stopp“ sagt, wenn die Gedanken im Kreis gehen. Doch es ist sehr schwer einen Therapie Platz zu bekommen, selbst wenn es eine Chance gibt, beträgt die Wartezeit laut einem Bericht im Standard über das interkulturelle Psychotherapiezentrum Jefira in St. Pölten mindestens ein halbes Jahr. Derzeit werden suizidgefährdete Flüchtlinge vorgereiht. Es fehlt an niederschwelligen Unterstützungsangeboten, die Selbsthilfe fördern. Hier bei Craftistas wird aber die Solidarität gelebt und das bringt auf jeden Fall gute Gefühle. 

Chinesische Zehenübung

Die flotte und sehr bewegliche Susanne packt ihren nackten Fuß auf den Tisch. Die Flüchtlingsfrauen lachen. Susanne erklärt ihnen die Fußreflexzonen und wie jeder Nerv zusammen hängt mit einer Zone am Fuß. Lustig die chinesische Fußsohlen-Übung, bei der 81mal schnell hintereinander über die Fußsohle gestrichen wird. Die Zehen biegt die andere Hand nach hinten und die Zehen soll man „mitnehmen“. Erst schauen alle groß, doch dann wird Susannes Tempo gehalten. Oben Kopftuch, unten nackte Füße…, lustig irgendwie. Danach pulsieren die Fußsohlen und man fühlt sich befreit und lebendiger. Für das Gesicht gibt es viele kleine Griffe und Verbindungen, die die Entschlackung über die Lymphbahnen anregen. Man muss das ganz fein und vorsichtig machen, ja nicht zu festdrücken. Dann geht man über das Schlüsselbein in den sogenannten „Venenwinkel“ hinein, um den „Dreck“ abzutransportieren.
„Wir nehmen von überall her etwas auf, sogar Glasteilchen von Fensterscheiben können über Haut und Lunge in den Körper gelangen“, meint Susanne. „und das kann dann zu Staus und Blockaden führen, die manchmal in Kopfweh ausarten.“ Sie zeigt noch eine Übung, wie man eine beginnende Migräne abstoppen kann, in der Früh beim Aufwachen. Fein säuberlich hat sie Kopf-Porträts beschriftet. Die beiden Afghaninnen mussten schon wieder nach Hause, die eine hat vier Kinder. Ihre Eltern sitzen in Afghanistan und ihre Schwester dort leidet ebenfalls oft an Kopfschmerzen. Probleme herausschreiben, kann sie als Analphabetin nicht – der Weg ist ihr versperrt. Aber sie zeichnet und malt sehr viel.

Bei Craftistas macht sich die fröhliche Flüchtlingsfrauen-Runde auf den Heimweg auf. Eine hat ganz schlecht Plastik-Stiefel und friert enorm (Stiefelgröße 39 gesucht). Bei einer anderen ist hinten die Ferse kaputt. Zwei tragen glitzernde Turnschuhe und besitzen überhaupt keine Winterstiefel. Auch Armut kann Kopfschmerzen verursachen, über eine belastete Wirbelsäule wegen schlechten Schuhen zum Beispiel.  Aber ein Anfang und eine Anregung zur Selbsthilfe sind gemacht.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Projekts"Kopfschmerz, Verspannung &Co", welches von der Wiener Gesundheitsförderung, WIG gefördert wird. Ein Handout zum Workshop findet ihr hier


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