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Nicht alleine dastehen – DoIt Reparaturwerkstatt für geflüchtete Frauen*

25. Oktober 2018

Der Prozess, sich wohnlich einzurichten

In der „Do It – ReparaturWERKstatt“ wünschten sich Teilnehmerinnen* Unterstützung in der Wohnung. Auch Flüchtlingsfrauen* möchten sich so schnell wie möglich praktisch und wohnlich einrichten. Ein ständiger Prozess.

„Es geht darum, den Umgang mit Werkzeug zu lernen und schnell praktisch etwas selber zu machen“, erklärt die Anleiterin. „Der Fokus liegt darauf, was ihr für eure Wohnung braucht. Wir kommen mit euch in eure Wohnung und dort montieren wir ein Regal, hängen eine Lampe auf, oder was ihr eben braucht.“ Die Augen der Teilnehmerinnen* der „Do It ReparaturWERkstatt“ blitzen auf, man sieht, dass jeder sofort etwas einfällt, ein Bild vor ihrem inneren Auge erscheint. Jede hat so ihre Ecke in der Wohnung, auf die einmal ein Lichtstrahl fallen sollte, jede braucht Reparaturen, die im Alltag untergehen oder für die gerade kein Geld vorhanden ist. „Keinen Stress“, sagt die Anleiterin, „manche wollen nicht so gerne Unbekannte in ihre Wohnung lassen, aber es kommen eh nur ein, zwei, drei Frauen* mit, die sich für das selbe Thema interessieren und helfen wollen – je nachdem wie viele möchten und die Frau* in die Wohnung lassen will.“

Grenzen auflösen

Es geht auch um Einrichten und Gestalten der Wohnung, einmal ausmalen mit einer neuen Farbe zum Beispiel. Manchmal wird es auch reichen, den Anfang zu machen, Material zu kaufen und die Frau* kriegt einen Anstoß, alleine weiterzutun. Die Frauen* haben viele Wünsche, die wir als Werkstatt leider nicht alle erfüllen können. Zum Beispiel eine aus Syrien geflüchtete Frau: "Ich bin sehr krank, ist es für euch möglich, eine spezielle Matratze für Rückenprobleme zu kaufen Eine Waschmaschine brauche ich auch." In der Mittagspause werden sofort ihre Probleme besprochen und angegangen. "Es geht auch darum, die Grenzen aufzulösen, was Männer machen und was Frauen können", erklärt die Anleiterin weiter. Eine Frau aus Niger lacht und winkt ab: "Über diese Probleme habe ich in der Zeitung gelesen." Sie hat die nicht, als Alleinerzieherin muss sie sowieso alles selber machen. Ihre neugierige Tochter mache gerne "Bricolage", die möchte sie in die Werkstatt mitnehmen. Dann hält die Behindertenbetreuerin eine kleine Rede: "Alles was ein Mann tun kann, will ich auch lernen. Ich werde zu jedem Termin kommen. Ich wünsche mir alles was möglich ist, zu erfahren. Danke.

Bild auf die Wand

Eine Frau erzählt, dass ihr Projekt manchmal kaputte Schränke geschenkt bekomme und dass sie, trotz wenig Budget und wechselnden Klientinnen, sich wirklich wünscht, dass die Projekträume sehr schön werden. Außerdem sind die Computer oft kaputt: "Ich kann nicht warten und diese Reparaturen sind sehr teuer. Wenn wir es selbst schaffen, ist es besser." Eine junge Frau aus Nigeria berichtet von ihrer tropfenden Waschmaschine und das sie aus Sicherheitsgründen ein besseres Türschloss braucht. "Nächste Woche habe ich Geburtstag", verkündet sie zum Schluss und strahlt. Gelächter in der Runde. Ein Türschloss als Geburtstagsgeschenk? Sicher! Die syrische Frau macht sich Sorgen. "Ich bin alleine. sagt sie. Meine zwei Söhne sind noch in Syrien, das ist eine Katastrophe." Sie freut sich aber, wenn ihre Wände neu ausgemalt werden. Da sie Künstlerin ist, könne sie ja auch ein Bild auf die Wand malen, schlägt eine vor. "Kommst du auch zu mir und malst mir ein Bild auf die Wand", lacht eine andere. Es geht ja auch um Stimmung und Atmosphäre - ohne tropfenden Wasserhahn bzw. mit einer Heizungsvariante, die nicht zu teuer ist. Inzwischen werden einige Vorhänge genäht, Fliesen verlegt und Lampen aufgehängt.

Der Workshop wurde im Rahmen des Projekts "Do It - ReparaturWERKstatt für geflüchtete Frauen" durchgeführt.

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