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Das DIY-Potential in der Feldenkrais- Methode

08. Juni 2018

Bei Feldenkrais geht es um Selbstermächtigung

„Nie dorthin gehen, wo es unangenehm ist, wo man nicht weiterkommt. Nicht insistieren. Wir stecken alle gerne ein bisschen fest, wo es nicht geht“, betont Anleiterin Kathi beim Feldenkrais-Workshop. Ganz was Neues.

„Ich merke selber an mir eine Verbissenheit, über den Schmerz drüber zu gehen“, erzählt eine Teilnehmerin, die sich selber auf Youtube Feldenkrais-Videos aufmacht und den Anweisungen folgt, um sich zu entspannen.  „Das mit dem Schmerz ist oft so, bei Aerobic zum Beispiel.“ „Das machen viele, es geht dann um Leistung, aber bei Feldenkrais soll man eben genau nicht über den Punkt hinausgehen, an dem der Schmerz anfängt“, erklärt die Anleiterin Kathi.

Ein hoher Raum mit Holzfußboden im 16. Wiener Gemeindebezirk. Lauter Papiervögel-Origami hängen in der Küche vom Plafond. Schön ruhig und kühl ist es hier, obwohl sich ein paar Straßen weiter der Brunnenmarkt befindet, an dem Samstagvormittag viele einkaufen.  „Bei Feldenkrais geht es darum, dass man selber etwas herausfindet. Während der Bewegungen kommt man auf Dinge. Es geht um den eigenen AHA-Moment. So mache ich diese Bewegung immer, ich könnte sie ja auch einmal anders ausführen. Es geht um Selbstermächtigung, dass man nach verschiedenen Bewegungen weiß, welche in diesem Moment richtig für einen ist.“

Nicht insistieren

„Moshe Feldenkrais stammte aus einer jüdischen Familie. Er arbeitete in den 20er Jahren am Bau, während des Krieges war er in England. Er studierte Ingenieurswissenschaften in Frankreich und arbeitete im universitären Bereich. Feldenkrais entwickelte selbst eine sehr schräge Methode, um sein vom Fußballspiel kaputtes Knie zu unterstützen.“  Kathi war sehr neugierig auf die Methode und machte nach einigen Kursen selber die Feldenkrais-Ausbildung. Sie kam in die Craftistas-Werkstatt, um an der offenen Werkstatt teilzunehmen und etwas zu bauen und nun gibt sie selber Kurse.

„Feldenkrais arbeitete um den Schmerz herum. Es ging um das WIE - nicht bis zum Schmerz gehen, keine Wiederholung  der Bewegung zu veranstalten, sondern anders.  Eine Grundregel war die Aufmerksamkeit in die Bewegung zu legen und dann wandern zu lassen.“ Dann kommt die Aufforderung: „Geh mit der Aufmerksamkeit zum rechten Ohr. Gibt es eine, die das nicht checkt?“ Nein. „Für die Bewegung macht es einen Unterschied, wo die Aufmerksamkeit ist.“  Dann geht die Aufmerksamkeit an verschiedene Orte: In die Nase, in den Hinterkopf, zur linken Hüfte. Sehr lustig. „Nie dorthin gehen, wo es unangenehm ist, wo man nicht weiterkommt. Nicht insistieren. Wir stecken alle gerne ein bisschen fest, wo es nicht geht.“ Allgemeines Kopfnicken, jede kann sich was vorstellen. „Man weiß nicht wohin. Vielleicht muss ich ganz woanders hin.“ Dein Körper, dein innerer Weitwanderweg.

Seinen Kopf in der Hand haben

„Es zieht, es sticht, es drückt. Wir haben sehr viele Ausdrücke für unangenehme Körpergefühle“, lacht Kathi. Für positive auch? Es gibt sogar ein Fachwort für die Aufmerksamkeits-Methode: „Attention Through Movement“ (ATM).  Dann geht es um ganz simple, alltägliche, normale Bewegungen, die wir hunderte Male pro Tag - egal bei welcher Tätigkeit - machen: Kopf drehen, schauen, Hand ausstrecken, die Hand anschauen. „Alle diese Bewegungen lernen wir ganz früh im Leben und sie sind sehr individuell eingeprägt“, meint Kathi.
„Wir Erwachsene sollten viel mehr Ressourcen aus der Brustmuskulatur heraus schöpfen, denn da sind große Muskeln, nicht aus den kleinen Muskeln oben im Nacken.“ Sie selbst sitzt immer sehr kraftvoll und doch entspannt da. Relaxed und doch aufmerksam. Das kann frau lernen! Dann dürfen wir die verschiedenen Kopfbewegungen austesten, mit Hand auf der Stirn, die Nase drehen, den Kopf schleifen lassen und nach hinten schieben oder aus dem Brustkorb heraus. Das letztere ist, glaube ich, das Ziel. Nein. „Das Ziel ist es, seinen Kopf in der Hand zu haben.“ „Sehr schwer, mein Schädel“, lacht eine.

www.feldenkraisen.at
info[at]feldenkraisen.at

Der Workshop fand in der Reihe "Was SELBST tun bei Verspannung, Kopfschmerz, Stress & Co.? DIY-Ansätze zur Verbesserung von körperlichem Wohlbefinden" statt, welche von der Wiener Gesundheitsförderunge (WiG) gefördert wurde.

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