Wir in Facebook

Im „Culture Frame“ abgebildet

03. Februar 2019

In den „Culture Frames“ der Malerin Fadumo tauchen ihre Oma, Frauenrechte, Kamele und  Holzgestelle auf

Ein seltsam aussehendes Holzteil auf schwarzem Grund, es scheint in der Luft zu schweben. Was kann das sein? Sieht fast wie ein abstraktes Gemälde aus. Fadumo hat, extra für den „Culture Frames“-Workshop, die Kopfstütze der NomadInnen in Somalia, gemalt. Statt einem Kopfpolster wird der Kopf in eine Art Gestell gelegt, das auf somalisch „Barkin“, auf englisch „headrest“ heißt.  Zum Thema „Culture Frames“ hat Fadumo für die Veranstaltungs-Teilnehmerinnen lauter Gegenstände aus Holz herausgesucht, die in Somalia gebräuchlich waren oder sind. Einen Holzkamm zum Beispiel. Eifrig erzählt sie von ihrer Oma im Dorf, die erst Nomadin war und dann italienisch lernte, denn dieser Teil von Somalia war bis 1960 von den Italienern kolonialisiert. Die Großmutter produzierte Matratzen und Polster in einer italienischen Firma, denn „dort konnte man nicht in der Muttersprache arbeiten“, sagt Fadumo. Somalia ist erst seit den 1960er Jahren frei, es befreite sich erstaunlicherweise selbst - doch jetzt gibt es seit Jahrzehnten Krieg. „Es gibt immer und ewig Krieg“, sagt Fadumo und rechnet lange im Kopf nach. Sie kommt auf 32 Jahre Krieg!

 

Sich klar ausdrücken

Heute würden in Somalia die Mädchen mit 15, 16 Jahren verheiratet, Fadumos Mutter war schon mit vierzehn Jahren dran. Als sie 15 Jahre alt war, kam schon ihre Tochter Fadumo. „Meine Mutter ließ sich scheiden, unterschrieb, dass sie keine Unterstützung brauche und gründete eine Firma und ein Restaurant. Als ich zwölf war, heiratete sie wieder“, erzählt Fadumo. „Doch dann sagte sie, ich will nicht unter Männern sein und ließ sich wieder scheiden.“ Auch wenn Mädchen in Somalia vor allem in der Schulbildung benachteiligt werden, meinte ihre Mutter, dass Mädchen und Frauen grundsätzlich nur das machen sollten, was sie wollen. Sie selber war dafür ein großes Vorbild. „Wenn Mädchen nicht klar ihre Meinung sagen, kriegen sie Probleme“, ist Fadumos Ansicht. Und: „Ich bin kein Besitz, wenn ich Nein sage.“ Früher im somalischen Sozialismus gab es keine Zwangsehe, heute hätten eher die Religionsträger als die Gesetzgeber das Sagen. Dann wird diskutiert, wie der „kulturelle Rahmen“ für die Frauen in Österreich aussieht. Die Oma einer Teilnehmerin wurde von ihrem Arbeitgeber geschwängert und die Tochter unehelich aufgezogen. Bei einer anderen waren fünf Töchter am Bauernhof und trotzdem hieß es: „Es braucht einen Sohn!“. Im Kärntner Dorf einer dritten Teilnehmerin war das erste Mädchen bereits mit 13 Jahren schwanger. Vom Tischtennis Trainer, der prompt nach Deutschland abhaute.

 

Mangelnde Solidarität

Fadumo bemerkte schon als Mädchen, dass ihre Lehrerin und der Lehrer nicht das Gleiche verdienen. Zum Thema Demokratie sagt sie nach erneutem langen Nachdenken den bemerkenswerten Satz: „Es gibt schon Demokratie, aber unten nicht.“ Dann wird über Feminismus diskutiert. Dass viele Frauen gegen Feminismus sind, findet Fadumo seltsam und kann sie sich nicht erklären. Die Handwerkerin und Künstlerin Bettina Fabian führt diesen Umstand auf mangelnde Solidarität zurück. „Der Geschmack der Macht ist so stark“, findet eine Teilnehmerin. Dann werden unter der Anleitung von Bettina Bilderrahmen gebaut, um die Culture Frames real nachzubilden, wichtige Bilder einzurahmen. Fadumos Bilderrahmen werden glänzend schwarz lackiert, ihre Kusine hilft ihr. Eine Teilnehmerin baut einen riesigen Bilderrahmen aus Holz, um ein großes Plakat mit lauter Detail-Zeichnungen zum Kohle-Abbau in den USA unterzubringen. Eine osteuropäische Frau hängt endlich das Foto des riesigen Baumes auf, der in ihrer Heimatstadt neben dem Rathaus steht. Der leuchtet lila im Schnee. Plus einen Druck von der einzigen älteren Frau, die Gustav Klimt je malte. Ist der Frau irgendwie wichtig – für ihren österreichischen „Culture Frame“.

 

Dieses Portrait entstand im Rahmen des Projekts „Künstlerinnenporträts in Theorie und Praxis“, welches von der MA7 Wien Kultur - Bildende Kunst gefördert wurde.

Neueste Artikel

2020 (1)

April (1)