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Keine Waffen, sondern Schmuck - Die erste Schmiedin

19. September 2019

Die erste Schmiedin der Bronzezeit stellte Spiralen-Armbänder und Ringe her. Sie wurde in Geitzendorf gefunden. Die Grabbeigaben liegen im Mammut Museum und im Naturhistorischen Museum in Wien.

 


 

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Blech- und Feinschmiedin gefunden

 

Viele Spiralen kennzeichnen ihre Arbeit: Spiralen als Armreifen, verstellbare Spiralen als Ringe, die man vergrößern oder verkleinern kann. Spiralen auf urlangen Nadeln, die Kleider zusammen halten. Die erste Schmiedin der Frühbronzezeit, die ganz zufällig beim Bau der Kellerfundamente eines Hauses bei Geitzendorf (Bezirk Korneuburg) in Niederösterreich ausgegraben wurde, beschäftigte sich mit Schmuck. Die 40- bis 60jährige Frau galt als Blech- und Fein-Schmiedin. Ihre Grabbeigaben waren Gefäße aus Bronzeblech, getrieben und aufwendig verziert. Gold wurde in gravierte Ornamente eingehämmert. In ihrem Grab wurden vier Ambos-Steine mit Arbeitsspuren gefunden.

Zwei männlichen Schmiede aus der Bronzezeit beschäftigten sich hingegen, nach ihren Grabbeigaben, allein mit Waffen. In der späten Bronzezeit wurde so das Schwert als erste Waffe der Menschheitsgeschichte entwickelt, die allein zum Töten von Menschen diente. Vor dem Fund der Schmiedin dachte man, es hätte allein männliche Schmiede gegeben, denn in der griechischen und germanischen Mythologie war das Schmieden rein männlich besetzt. Nägel, Bleifigurinen, Lanzenschuhe – vielfältig waren die Anwendungen für Metalle. In der anthropologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien hängt eine stilisierte Abbildung einer jungen, hübschen Frau, die die Schmiedin darstellen soll.

Eisen wurde in der späten Bronzezeit erst nur für Schmuck, dann für Werkzeug verwendet. Eisen ermöglichte intensiven Ackerbau, aber es entstanden auch künstlerische Gegenstände wie zum Beispiel Harfen-Fibeln. Später gab es sogar Münzgeld, der Wert ging nach Gewicht.

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Beispiel für Emanzipation

Im tollen Mammut Museum in Asparn an der Zaya trägt die Ausstellung den Titel „40.000 Jahre Mensch“, denn vor 40.000 Jahren wurden die ersten Spuren von Menschen in Österreich gefunden. Ganz oben in der ehemaligen Burg ist die Steinzeit angesiedelt. Die altsteinzeitliche Kunst entwickelte Ketten aus Tierzähnen und Schneckenhäusern, oder eine Knochenflöte. 1908 wurde zufällig beim Bahnbau die Venus von Willendorf gefunden, die 27.000 Jahre alt ist! 32.000 Jahre alt ist hingegen die Figurine der Venus von Stratzing.

Man geht heute davon aus, dass es in der Bronzezeit einen Schmied oder eine Schmiedin in jeder Siedlung gab. Im Mammut Museum sind in einer beleuchteten Vitrine die Grabbeigaben der Schmiedin ausgestellt. Wunderschöne, einfallsreiche Ringe liegen auf rotem Samt. „Die Schmiedin gilt als ein Beispiel für Emanzipation“, sagt die Leiterin der Führung durch das Museum. Seitlich stehen die beiden Vitrinen der Männer: Hier sind Zangen und Zwicken zu sehen, denn die männlichen Schmiede stellten Werkzeug her. Männer starben damals mit 38 Jahren, Frauen durchschnittlich fünf Jahre früher. Männer wurden nach Osten hin begraben, Frauen in Richtung Westen. In der Metallzeit bildete sich schon ein Krieger-Adel heraus, der Schwerter zum Töten von Menschen benutzte.

 

 

Keine Erinnerungs-Tafel

 

Die Museumsführerin sagt mehrmals: „Wir wissen leider nicht, was sich die Leute damals gedacht haben“. Es gibt nämlich keinerlei Schriftquellen. Die erste Schrift tauchte erst mit den RömerInnen auf, die lauter Protokolle verfassten und Geld von A nach B verschoben. Sie zeigt uns noch den Limes, spitze Holzstämme, die den Römer*innen als Grenze dienten. Es gab aber keine fixe Grenze, denn der Handel ging quer über den Limes. Andererseits wurde die Todesstrafe verhängt, wenn man heimlich den Limes überquerte und erwischt wurde. „Man musste blechen“, sprich mit Blechstücken beim Grenzhäuschen bezahlen. „Die Grenze war nicht komplett zu. Wir dürfen nicht alles glauben, was Cäsar und Co. uns überlieferten“, meint die Leiterin.

Wir suchen dann noch in Geitzendorf nach der Fundstelle der Schmiedin. Eine ältere Dame gibt uns Auskunft: „Die Ausgrabung war da oben am Hügel, doch jetzt sind schon Neubauten drüber.“ Wir suchen weiter, aber es gibt nicht einmal eine Tafel zur Erinnerung an den Fund der ersten Schmiedin. Zum Trost sahen wir uns noch den Großmugel an, einen Hügel mitten in einem Feld, der voller Grabbeigaben ist, aber unter Denkmalschutz steht. Auf ihm wachsen alle möglichen seltenen Pflanzen, denn augenscheinlich wird er nicht gemäht. Schmetterlinge und Bienen tummeln sich hier.

Fotos: Susanne Staller

 

Dieses Portrait wurde gefördert von der MA 57

 

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