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Junge Frauen sind einfach sie selbst - Lisa Rosenblatt

19. September 2019

Die Übersetzerin, Sportlerin und Lehrerin Lisa Rosenblatt sieht heute eine starke Generation von jungen Feministinnen, „die keinen Inch zurückweichen will“. Sie selbst suchte und fand bereits mit zwölf feministische Erklärungen der Welt.

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Eva entstand aus Adam?

„Dass eine Frau aus einem Mann entstanden sein und praktisch nur eine Hilfe sein soll, das kann nicht sein.“ Die biblische Entstehungsgeschichte der Menschen kam Lisa Rosenblatt schon als Zwölfjährige äußerst seltsam vor. Für die Vorbereitung ihrer Bat Mitzwah in den USA lernte sie ihre Torah-Portion und bekam eben die Gnosis als Aufgabe. „Ähnlich wie heute war ich auch damals -  ich begann zu recherchieren“, haut sie beim Interview lachend auf den Tisch. In der Bibliothek fand sie schließlich eine feministische Version der Gnosis und schrieb selber eine neue Variante der alten Geschichte. Doch sogar der Reform-Rabbiner ist dagegen, dass sie ihre Version öffentlich vorlesen darf. Die Mutter protestiert, doch es bleibt beim Verbot. „Okay, ich spiele mit, glaube aber nicht daran“, dachte sich die kleine Lisa in Folge. „Die verstehen das nicht, aber mir war klar, dass das mit Adam nur die halbe Geschichte ist. Meine Mutter war sauer.“

Werkzeugkoffer als Geschenk

„Meine Generation war in den USA die erste, in der Mädchen und Buben gemeinsam Sport hatten. In meiner Schule wurde eine Frauen Fußballmannschaft gegründet. Es gab 1972 ein neues Gesetz: Title IX, das Diskriminierung auf der Basis von Geschlecht beendete, und unter anderem einen Aufschwung des Frauensports brachte. Viele Frauen meiner Generation in New England sind sehr sportlich.“ Den Sport sieht Lisa Rosenblatt als ein frauenpolitisches Thema an, das sie ihr Leben lang begleitet hat. Dass nämlich Frauen im Sport ebenfalls Karriere machen können, und zwar „nicht nur im Tennis“.

Die Rosenblatt Familie renovierte gemeinsam ein Haus und verkaufte dieses wieder, um ein Ferienhaus am See zu ergattern. Lisa „riß Nägel vom Boden aus“. Zu Chanukkah erhielt sie einen kleinen Werkzeugkoffer mit richtigem Werkzeug, den sie lange behielt. Der Vater brachte den Töchtern alles bei, er hatte eine eigene Werkstatt, doch Lisa befand sich als „zu klein und ungeduldig“, um später Handwerkerin oder gar Ingenieurin zu werden wie ihre ältere Schwester. Bezüglich Berufswahl gab es sowieso einen richtigen Generationensprung, „denn zum Bespiel musste mein Vater in den 60er Jahren in den USA noch zustimmen, dass meine Mutter arbeiten gehen darf.“ 

 

 

Viel Selbstbewußtsein heute

Feminismus definiert sie als eine „Öffnung, was die gesellschaftlichen Normen sind oder was überhaupt für Frauen möglich ist.“ Über den Schisport in Tirol schließlich in Wien angelangt, schrieb Lisa Rosenblatt ihre Dissertation bei Eva Kreisky über die Fischereikrise in Neufundland und die Kämpfe um die Kabeljau-Bestände. Österreich erschien ihr ganz anders als Amerika: In den USA traten zum Beispiel afroamerikanische Feministinnen stark gegen die gesellschaftlichen Diskriminierungen und „Auslassungen“ auf, auch das Working Class Movement war sehr stark. In Wien wunderte sie sich über die Selbstabgrenzung des Autonomen Frauenzentrums, eine in ihren Augen Selbstbeschränkung, die sie so nicht kannte. Sie selbst übersetzte nicht wenige Kataloge feministischer  Künstlerinnen ins Englische, wie z. B. den von Mary Kelly oder von Martha Rosler für die Generali Foundation. „Kunst kann nicht die Probleme des Feminismus behandeln, und wenn eine Feministin Kunst macht, muss es nicht unbedingt feministische Kunst sein“, schätzt sie. 

Lisa Rosenblatt sieht heute ein Wiedererstarken des Feminismus: „Die jungen Frauen finden sich in den neuen Medien und wollen keinen Inch zurückgehen“, befindet sie. „Die sind sehr stark, das ist eine Generation, die mit viel Selbstbewußtsein aufgewachsen ist. Die nehmen sich einfach ihre Position und sind einfach sie selbst. Wenn wir uns ausruhen und rasten, kommt aber die Macht zurück, daher ist ein Wiederaufblühen des Feminismus so wichtig. Jetzt endlich sieht man die Änderungen in unserer Gesellschaft.“  

Dieses Portrait wurde gefördert von der MA 57

 

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